Ihr Ergebnis zur Erholungsherzfrequenz verstehen
Die folgende Einteilung beruht auf dem Schwellenwert, den Cole und Kollegen (1999) in einer großen Kohortenstudie mit Belastungstests ermittelt haben. Eine einzelne Messung ist ein edukativer Datenpunkt und keine Diagnose; sie sollte daher von einer Ärztin oder einem Arzt im Gesamtbild der kardiovaskulären Gesundheit eingeordnet werden.
| Herzfrequenzabfall nach einer Minute | Referenzeinordnung (Cole et al., 1999) |
|---|---|
| 12 bpm oder weniger | Auf oder unter dem Schwellenwert, der in der Studienkohorte mit höherem langfristigem Sterberisiko verbunden war |
| Mehr als 12 bpm | Über dem Schwellenwert, der in der Studienkohorte mit höherem Risiko verbunden war |
- Die Studie von Cole et al. (1999) erfasste die Erholung während einer fortgesetzten Phase geringer Belastung nach der Spitzenanstrengung (aktive Erholung) und nicht in völliger Ruhe; eine im Sitzen oder Liegen gemessene HRR1 kann daher von einem Protokoll mit aktiver Erholung abweichen.
- Medikamente, die die Herzfrequenz beeinflussen, etwa Betablocker, können die Erholungsherzfrequenz unabhängig von Fitness oder kardialem Risiko verändern.
- Dieser Rechner liefert einen edukativen Datenpunkt auf Basis eines einzelnen publizierten Schwellenwerts; er diagnostiziert keine Herz-Kreislauf-Erkrankung, und Bedenken sollten mit einer qualifizierten Fachperson besprochen werden.
- Kardiorespiratorische Fitness und regelmäßiges aerobes Training werden in der Forschungsliteratur allgemein mit einer verbesserten Erholungsherzfrequenz in Verbindung gebracht, wobei die individuellen Ergebnisse variieren.
Was ist die Erholungsherzfrequenz?
Die Erholungsherzfrequenz beschreibt, wie schnell die Herzfrequenz nach Belastungsende abfällt, am häufigsten gemessen als Abfall in der ersten Minute nach der Spitzenbelastung (HRR1). Man geht davon aus, dass sie vor allem die Reaktivierung des parasympathischen (vagalen) Nervensystems nach der Belastung widerspiegelt, im Unterschied zur sympathischen Aktivierung, die die Herzfrequenz während der Anstrengung ansteigen lässt.
Eine wegweisende Studie von Cole und Kollegen aus dem Jahr 1999, veröffentlicht im New England Journal of Medicine, begleitete rund 2.400 Erwachsene im Rahmen von Laufband-Belastungstests. Dabei zeigte sich, dass Personen, deren Herzfrequenz in der ersten Erholungsminute um höchstens 12 Schläge pro Minute (bpm) fiel, über die folgenden sechs Jahre ein deutlich höheres Sterberisiko aufwiesen — unabhängig von der erbrachten Belastung, von Ischämiezeichen und von weiteren etablierten Risikofaktoren. Damit etablierte sich ein Abfall von 12 bpm oder weniger als bedeutsamer Schwellenwert in der kardiovaskulären Risikoforschung.
Die Messprotokolle unterscheiden sich allerdings: Die Cole-Studie erfasste die Erholung während einer fortgesetzten Phase geringer Belastung (aktive Erholung) und nicht in völliger Ruhe. Unterschiedliche Protokolle — aktive Erholung gegenüber sitzender oder liegender Erholung — können daher bei derselben Person unterschiedliche HRR-Werte ergeben. Dieser Rechner ermittelt lediglich einen einfachen HRR1-Wert aus den eingegebenen Zahlen und schreibt kein bestimmtes Erholungsprotokoll vor.
So verwenden Sie diesen Rechner zur Erholungsherzfrequenz
- Erfassen Sie während oder unmittelbar nach einer Belastung Ihre maximale Herzfrequenz zu dem Zeitpunkt, an dem Sie abbrechen oder in die Erholung übergehen.
- Messen Sie Ihre Herzfrequenz genau eine Minute später erneut.
- Geben Sie beide Werte ein.
- Lesen Sie Ihre Erholungsherzfrequenz nach einer Minute (HRR1) in Schlägen pro Minute ab sowie deren Einordnung am Schwellenwert von Cole et al. (1999).
Die Formel hinter der Erholungsherzfrequenz
Die HRR1 ist schlicht die Differenz zwischen der maximalen Herzfrequenz und der Herzfrequenz genau eine Minute nach Beginn der Erholung.
Rechenbeispiel: Eine Spitzenherzfrequenz von 160 bpm und eine Herzfrequenz von 130 bpm eine Minute später ergeben eine HRR1 von 160 − 130 = 30 bpm und liegen damit deutlich über dem Schwellenwert von 12 bpm, der in der Kohorte von Cole et al. (1999) mit erhöhtem Risiko verbunden war.
Da die Formel eine einfache Subtraktion ist, hängt die Genauigkeit vollständig davon ab, beide Herzfrequenzen exakt zu den richtigen Zeitpunkten zu messen; ein ungenauer Spitzenwert oder eine falsch getroffene Minutenmarke verschiebt das Ergebnis unmittelbar.
Häufige Fehler
- Die zweite Herzfrequenz zum falschen Zeitpunkt messen — bereits ein Zeitfehler von 15 bis 30 Sekunden verändert den HRR1-Wert spürbar.
- Eine Ruheherzfrequenz statt einer echten maximalen Belastungsherzfrequenz als Ausgangswert verwenden.
- Zwischen aktiver Erholung (weiterhin lockere Bewegung) und passiver Erholung (ruhiges Sitzen oder Liegen) wechseln, da diese Protokolle bei derselben Person unterschiedliche HRR-Werte ergeben können.
- Einen einzelnen HRR1-Wert als Diagnose behandeln, statt als einen edukativen Datenpunkt, den man über die Zeit verfolgt oder ärztlich bespricht.
- Übersehen, dass Medikamente mit Einfluss auf die Herzfrequenz, etwa Betablocker, die HRR1 unabhängig von Fitness oder kardialem Risiko verändern können.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine normale Erholungsherzfrequenz nach einer Minute?
In der Kohorte von Cole et al. (1999) war ein Abfall von mehr als 12 Schlägen pro Minute nicht mit dem erhöhten Sterberisiko verbunden, das bei einem Abfall von 12 bpm oder weniger beobachtet wurde. Dabei handelt es sich um einen aus der Forschung abgeleiteten Referenzpunkt, nicht um einen persönlichen diagnostischen Grenzwert.
Wer hat den Schwellenwert von 12 bpm etabliert?
Cole und Kollegen etablierten diesen Schwellenwert in einer Studie mit rund 2.400 Erwachsenen im Rahmen von Laufband-Belastungstests, veröffentlicht 1999 im New England Journal of Medicine. Sie fand, dass ein Abfall von 12 bpm oder weniger in der ersten Erholungsminute über sechs Jahre Nachbeobachtung mit einem deutlich höheren Sterberisiko verbunden war, unabhängig von anderen Risikofaktoren.
Können Medikamente die Erholungsherzfrequenz beeinflussen?
Ja. Medikamente, die die Herzfrequenz beeinflussen, etwa Betablocker, können sowohl die maximale Belastungsherzfrequenz als auch die Erholungsherzfrequenz unabhängig von Fitness und kardiovaskulärem Risiko verändern. Ergebnisse sollten daher immer im Licht der eingenommenen Medikamente betrachtet werden.
Verbessert Training die Erholungsherzfrequenz?
Die Forschung bringt regelmäßiges aerobes Training allgemein mit einer verbesserten, also schnelleren Erholungsherzfrequenz in Verbindung, da die parasympathische Reaktivierung nach Belastung ausgeprägter ausfällt. Das Ausmaß der Verbesserung fällt allerdings individuell unterschiedlich aus.
Sollte mich ein niedriger Wert beunruhigen?
Eine einzelne Messung auf oder unter dem Schwellenwert von 12 bpm ist ein edukativer Hinweis aus der Bevölkerungsforschung, keine Diagnose. Wer Bedenken zur eigenen Erholungsherzfrequenz hat, insbesondere bei weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren oder Symptomen, sollte dies ärztlich abklären lassen.
Aktive oder passive Erholung zur Messung der HRR1?
Die ursprüngliche Untersuchung von Cole et al. (1999) erfasste die Erholung während fortgesetzter geringer Belastung (aktive Erholung) statt in völliger Ruhe. Da aktive und passive Protokolle unterschiedliche Werte liefern können, macht ein durchgehend gleiches Protokoll die Ergebnisse über die Zeit besser vergleichbar.
Quellenangaben
- Cole CR, Blackstone EH, Pashkow FJ, Snader CE, Lauer MS. Heart-rate recovery immediately after exercise as a predictor of mortality. New England Journal of Medicine 1999; 341(18): 1351–1357.
- Shetler K, Marcus R, Froelicher VF, et al. Heart rate recovery: validation and methodologic issues. Journal of the American College of Cardiology 2001; 38(7): 1980–1987.
- American College of Sports Medicine. ACSM's Guidelines for Exercise Testing and Prescription, 11th edition. Wolters Kluwer, 2021.