Die Formel hinter der Vorhersage
Peter Riegels Ausdauerformel, veröffentlicht Anfang der 1980er-Jahre, sagt die Zeit über eine Distanz aus einer bekannten Zeit über eine andere Distanz voraus: T2 = T1 × (D2 / D1)^1,06, wobei T1 die bekannte Zeit über die Distanz D1 und T2 die vorhergesagte Zeit über die Distanz D2 ist. Der Exponent 1,06 bildet die Tatsache ab, dass sich das Tempo mit zunehmender Distanz verlangsamt – könnte ein Läufer bei jeder Distanz das gleiche Tempo halten, läge der Exponent exakt bei 1.
Da es sich um einen Potenzzusammenhang handelt, verstärkt sich die Vorhersage: Je weiter D2 von D1 entfernt liegt, desto stärker bläht der Exponent 1,06 die vorhergesagte Zeit gegenüber einer einfachen Tempo-Multiplikation auf. Deshalb wird die Formel bei der Vorhersage eines Marathons aus einem 5-km-Lauf am stärksten strapaziert.
Vorhersagen aus einem 5-km-Lauf in 25:00
Wendet man die Formel auf eine Zeit von 25:00 (1.500 Sekunden) über 5.000 Meter an, ergeben sich folgende Vorhersagen für gängige Wettkampfdistanzen.
| Distanz | Vorhergesagte Zeit | Implizites Tempo |
|---|---|---|
| 5 km (bekannt) | 25:00 | 8:03 / Meile |
| 10 km | 52:07 | 8:23 / Meile |
| Halbmarathon | 1:55:00 | 8:46 / Meile |
| Marathon | 3:59:47 | 9:09 / Meile |
Warum die Marathonvorhersage am wenigsten zuverlässig ist
Riegels Formel geht davon aus, dass der Läufer für jede Distanz gleich gut trainiert ist. Diese Annahme trifft meist zwischen benachbarten Distanzen zu – eine 5-km-Zeit sagt einen 10-km-Lauf gut voraus –, versagt aber beim Marathon, wo der Erfolg stark von Ausdauerfaktoren abhängt, die die Formel nicht erfassen kann: wöchentliches Laufpensum, Historie der langen Läufe, Verpflegung und das Risiko, in den letzten 10 km „gegen die Wand zu laufen“.
Als Faustregel gilt: Ein Läufer, dessen Training wirklich marathonspezifisch ist, kann die Vorhersage erreichen oder übertreffen, während ein Läufer mit schneller Kurzstreckengeschwindigkeit, aber geringem Laufpensum meist langsamer laufen wird als vorhergesagt. Die Formel liefert eine Obergrenze, die sich durch gutes Ausdauertraining erarbeiten lässt – keine Zeit, die reine 5-km-Schnelligkeit garantiert.
Vorhersagen sinnvoll nutzen
Vorhersagen sind am nützlichsten, um realistische Tempoziele festzulegen und aktuelle Wettkampfleistungen zu vergleichen – nicht als Versprechen. Je näher die Referenzdistanz an der Zieldistanz liegt – etwa ein aktueller Halbmarathon statt eines 5-km-Laufs zur Marathonvorhersage –, desto verlässlicher die Schätzung. Vorhersagetools sollten als ein Baustein neben den tatsächlichen Trainingstempi und der Leistung bei langen Läufen betrachtet werden.
Häufig gestellte Fragen
Welche Formel verwenden Marathonzeit-Rechner?
Die meisten nutzen Riegels Formel: T2 = T1 × (D2 / D1)^1,06. Sie skaliert eine bekannte Wettkampfzeit mithilfe eines Ausdauerexponenten von 1,06 auf eine andere Distanz.
Welche Marathonzeit sagt ein 5-km-Lauf in 25 Minuten voraus?
Riegels Formel sagt aus einem 5-km-Lauf in 25:00 einen Marathon in 3:59:47 voraus – allerdings nur, wenn das Ausdauertraining das stützt. Läufer mit geringem Laufpensum kommen meist langsamer ins Ziel.
Warum ist meine vorhergesagte Marathonzeit schneller als meine tatsächliche?
Die Formel geht von gleichem Training für alle Distanzen aus. Kurzstreckengeschwindigkeit ohne hohes wöchentliches Laufpensum und lange Läufe führt meist zu einem langsameren tatsächlichen Marathon als vorhergesagt.
Welche Vorhersage ist am genauesten?
Vorhersagen zwischen benachbarten Distanzen (5 km zu 10 km) sind am genauesten. Je näher die Referenzstrecke an der Zieldistanz liegt, desto verlässlicher die Schätzung.
Quellenangaben
- Riegel PS. Athletic records and human endurance. American Scientist. 1981;69(3):285-290.
- Riegel PS. Time predicting. Runner's World, 1977 — origin of the 1.06 endurance exponent.
- USA Track & Field — standard race distances (5K, 10K, half marathon, marathon 42.195 km). https://www.usatf.org/